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SAMMY TORNADO
HÖLLENSTEIN-MEMORIES

..0.
..HÖLLENSTEIN-MEMORIES
..(Prolog)

...ORT: Übungsgelände hinter
...der Höllenstein-Kaserne.
...ZEIT: anno Tobak.
In seiner geilsten Motorradkluft ackerte Richie stundenlang auf seiner Honda durch den kalten Matsch des vom Regen aufgeweichten Übungsgeländes. Am Ende zog der gut gebaute, leicht fette Rocker mitten im Dreck der "Geländekantine" vor allen Kameraden seine vor Schlamm starrenden Jeans runter und kackte seinem smarten Freund vorne auf den weißen Anzug, aufs blütenweiße Hemd und auf die nette neue Krawatte. Der Familienleistungsausgleich brachte den einkommensfreien Gruppen einen erhöhten Kinderfreibetrag. Das ließ sowohl ihnen als auch dem pummeligen Rocker den wolkengezuckerten Tee sogleich noch ein klein wenig besser schmecken als ohnehin schon! Und die Blumen des Herbstes tranken die noch milde Luft dieses frischen Abends.
.......Auf dickstem Banner stand Richies Anti-Utopie - und daher schenkte er jetzt süßlich lallend seinen lieben Kumpels Suppe aus! Sein smarter Freund jedoch, der gut aussehende Mann im weißen Anzug (jaja, eine tolle Schwatzbacke!), der bekam natürlich zusätzlich jene fette Extrawurst dazu! Sie dokumentierten es für später vortrefflich auf Video.
.......Die Pissflecken auf Richies vollkommen schmutziger Baumwollunterhose leuchteten unter den Stahlen des computergesteuerten Spotlights, welches oben auf dem hohen Gerüst installiert war, hell, grell und braungelb auf. Der Anzugmann rückte angetanst von diesem hehren Anblick süß an seiner smart bekackten Blümchenkrawatte.
.......Richie begab sich zu dem großen Bottich und beugte sich so tief über die vulgäre Brühe, dass der elegante Schlips, den er sich gestern von seinem Freund geborgt hatte und den er momentan schlicht zum T-Shirt trug, bald geil der gesamten Länge nach bis hoch zum Knoten halb in und halb auf der Käsesuppe schwamm. (Besonders wichtig war in diesem Zusammenhang die Gewährleistung der inoffiziellen Herrenordnung in der Höllenstein-Kaserne. Sie wurde symbolisch durch das sorgfältige Einlegen von diversen schmutzigen Mackerunterhosen in Einmachgläsern dargestellt. Pro Glas eine Unterhose! - Dies war hierbei die um höchste Heiligkeit heischende Regel.)
.......Der Herr im weißen Anzug strich sich derweilen Richies Kacke auf dem Jackett, der Weste, dem Hemd und der Krawatte glatt. Er fieberte dabei geradezu vor lauter Angetanheit!
......."Ja, dieser Duft! Zum Kneten!"
.......Der Rocker hob inzwischen wieder den Oberkörper vom Bottich. Sein edler Schlips tröpfelte und etliche Käsefäden klebten vulgär daran.
.......Vor uns auf dem Boden kämpfte das außerirdische Grünerbrochene ein gar zartes Gefecht mit dem neu zu ihm aufgestoßenen Sahnetortenflazen. Und sie sangen gemeinsam jenes hohe Lied der Liebe: "Wo wir uns finden, wohl unter Linden, zur Abendzeit...!"
.......Alle freuten wir indes uns schon riesig, denn heute Abend würde es wieder einen richtig deftigen Kantinenfraß geben, nämlich "Mops" mit Brudeln. Gestern beim Mittagstisch hatte Richie wieder mal alles restlos erbrochen, seine hervorsprudelnde Kotze hatte unsre ganze Kompanie von oben bis unten vollgespritzt! Wie zehrten wir heute, am Abend danach, noch köstlich würgend an dieser Erinnerung! Denn ach: Wir hatten nämlich den ganzen mit altem Käse überbackenen Kot, worüber Richies ganze Kotze üppigst wie Soße geodelt war, von wonnigstem Wogen bewegt verspeist!

1.
DAS BLÄULICH
SCHIMMERNDE FLEISCH

...ORT: Großraumtoilette der
.. Höllenstein-Kaserne.
.. ZEIT: anno Tobak.

Hauptfeldwebel Spring hatte sich in der verstopften Kloschüssel unter der Zuhilfenahme seiner silbernen Schützenkordeln selbst gefangen! Auf den beiden Kragenspiegeln an den Revers seines schicken Uniformjacketts prangten bereits ominöse ockerfarbene Flecken und ebenso auf dem roten Ärmelwappen mit den zwei gekreuzten Schwertern, unter denen mit Goldfäden der Name der Kaserne eingestickt war. Spring trug erhaben wie eine Standarte seine Würde zur Schau - dies passte gut zu seiner gespensterhaft weißen Haut und zu seinem schwarzen Haar, welches seine polierte Halbglatze hinten und um die Seiten herum edel umgab wie ein geteerter Lorbeerkranz. Spring sah damit sehr gut aus. Die Halbglatze war natürlich das rasurbedingte Produkt seiner Eitelkeit - nicht etwa das von oridnärem Haarausfall!
.......Für die Begriffe seines Herrn hatte Spring seine hübsche Uniformjacke jetzt herrlich übergedrückt. Der Hauptfeldwebel hatte sie geküsst und dann den eigenen verschissenen Hosenboden zärtlich gestreichelt. Geigen der Dramatik, Geigen des Sieges über das Schicksal, Arschgeigen!
.......Seit diesem heiligen Momente war Spring vonen!
.......Der geschmolzene Camembert tropfte indes vom prallen, vor Erregung schon bläulich schimmernden Fleisch seiner Eichel.

.......1.) Hosen mit hochwertiger Seiden-Innenausstattung!
.......2.) Aktuell: das Schleckrecht!

Der junge Soldat stand nach rechts gewandt breitbeinig über dem zerbrochenen Hühnerei. Er trug das
Uniform-Chintz-Feldblouson der neuen Generation mit der aktuellen kontrastfarbigen Schulter. Es bestand aus PU-beschichtetem Polyester-Baumwoll-Gewebe (145).

Der Soldat legte seine Euroschleck-Karte vor. Es war zu vermerken: Quark tropfte von dem jungen Hauptfeldwebel ab.

2.
DIE NEUE
KUNST DER KLAMOTTE

...ORT: auf dem Kasernenhof.
.. ZEIT: anno Tobak.

Der Mann im weißen Anzug aber marschierte nun auf dem Kasernenhof mit einem berstend vollen Eimer voll bestialisch schön stinkender Scheiße (die ausschließlich von edelst gewandeten jungen Bankkaufmännern stammte) auf Kalloway zu. Der Major trug seine herrlichste Uniform. Als sein Freund mit dem Stinkkübel herangekommen war, deutete der Militär erwartungsvoll auf die kostbar duftende Bankerkacke und sagte: "Es ist bekanntlich unter Wissenschaftlern eine Mode geworden zu behaupten, dass die gelungensten und letztlich sich als `richtig und wahr´ bestätigenden Hypothesen und Theorien gegenüber den gescheiterten nicht nur schöner wären, sondern unabhängig davon betrachtet überhaupt schön seien. Offenbart sich hier unter Wissenschaftlern bedenklicherweise etwa künstlerischer Geist? - Und was bedeutete es, wenn sich nun eines Tages eine bedeutende oder gar die bedeutendste wissenschaftliche Theorie eindeutig als richtig erwiese - dabei aber unglaublich hässlich wäre? - Angesichts der von der zeitgenössischen Wissenschaft aufgestellten Behauptung, dass die irgendwann einmal glücklich gefundene letzte Weltformel zugleich eine Formel von ungeheurer Schönheit sein müsse, bliebe jedenfalls zu fragen: Schön - etwa wie die epochal gebundenen Artigkeiten der Musikstückchen Johann Sebastian Bachs - also komplex und dennoch ätherisch leicht, heute aber im CD-Dutzend wahrhaft nichtssagend und langweilig? Schön vielleicht wie ein gut im Klo durgespültes David Hockney-Poster? Schön gar wie ein gut durchtrainierter nackter Männerarsch? - Oder - ich wage es kaum zu hoffen - schön wie die zufällige Begegnung eines Regenschirms und einer Nähmaschine auf einem Seziertisch?!"
.......Der Anzugmann hatte der Rede Kalloways genüsslich gelauscht. Dann hielt er den Kackeimer mit den edel dampfenden Fäkalien dem soft lächelnden Major unter die empfindliche Militärnase. Analytisch schnupperte der gierig an dem stinkenden Drecke.
......."Ich liebe allen Duft, der vom Kapitalismus ausgeht", so sprach er dann mit engelsgleich verklärten Gesichtszügen und fing daraufhin an, genießerisch leicht drüberzulecken über diese Scheiße smarter Jungkapitalisten.
.......Schließlich aber leerte der elegante Mann im wundervollen dreiteiligen Maßanzug den Kotkübel mit Schwung zu den Füßen des eitlen Majors aus, so dass diesem die kleine Exkrementenflut vorne üppig über die glänzendst polierten Halbschuhe schwappte, ihm dabei unten die Hosenbeine mit Scheißespritzern gar lustig und hübsch sprenkelnd.
.......Daraufhin ging der stramme Major nun genau über diesem elend stinkenden Kotschlabber in eine hochgestemmte Liegestützposition, so dass all die prachtvollen Orden, Kordeln und Leistungsabzeichen direkt über den heilig dampfenden Exkrementen baumelten.
.......Der Mann im makellos weißen Anzug ging vor seinem Freund in eine elegante Hocke (vorsichtig, um seine Hose unten nur ja nicht mit Schmutz zu beflecken) und genoss aus dieser Höhe, die ihm beste Untersicht gewährte, den Blick auf Kalloways stolz dekorierte Uniformbrust mit den allerlei dicht über dem Scheißehaufen schaukelnden Orden und Abzeichen.
.......Mit etwas von der Anstrengung zart gerötetem Angesicht lächelte ihn der Major lieb an...und ließ sich dann langsam, wundervoll langsam hinab - und hinein mit der Brust, voll hinein in diesen erhabenen Haufen Scheiße!
.......Der Mann im weißer Anzug aber stöhnte schwer vor lauter übersittlicher Ablast auf und sog heftig die Luft mit zu hübscher Fiesheit verzogener Visage durch die geil aufeinander gebissenen Zähne ein.

3.
SILBERNE
SCHÜTZENSCHNÜRE

...ORT: Großraumtoilette
...der Höllenstein-Kaserne.
.. ZEIT: anno Tobak.

Spring hatte sich auf dem Großraumklo über einer verstopften Kloschüssel unter der Zuhilfenahme der silbernen Schützenschnüre leicht verfangen, die stolz an seiner grauen Ausgehjacke prangten. Ach, dieses stramme Jackett, an dessen beiden Brustaschen je ein Leistungsabzeichen hing und an dessen linkem Ärmel oben das edle rote Höllenstein-Wappen aufgenäht war! Dies Wappen zeigte zwei gekreuzte Trinkhörner. Unter diesen war mit Goldfäden der Buchstabe K (stehend für Kalloway) eingestickt.
.......Das gab ein herzliches Lachen, als es ihn nun (bedingt durch den Gegenhalt der silbernen Kordeln) rückwärts mit dem Hosenboden genau in die randvoll mit Kotsabber vollstehende, vollkommen verstopfte Klosettschüssel setzte!
.......Spring trug nämlich dabei auch jetzt noch seine leichte, seine galante Würde gleich einer im luftigen Herbststurm zerflatternden Standarte erhaben zur Schau. Das passte gut zu seiner gespensterhaft weißen Haut und seinem schwarzen Haar, welches seine hübsch polierte Halbglatze hintenrum umgab wie ein geteerter Lorbeerkranz.

4.
BEIFALL UND
WAHRSCHEINLICHKEIT

...ORT: Hörsaal der
.. Höllenstein-Akademie.
.. ZEIT: anno Tobak.

"Gesetzt den Fall, dass sich unter Wissenschaftlern nun tatsächlich künsterlischer Geist auf ihrer Suche nach schönen Theorien offenbarte - und gesetzt den Fall, dass die letzte Formel, die Weltformel, in der Tat gefunden würde und wirklich so schön sei wie behauptet, - gesetzt also den Fall, die Wissenschaft habe wirklich all ihr Streben auf den letzten Punkt und zum Abschluss gebracht und sich damit selbst ihrer Aufgabe beraubt, die Welt im Letzten zu erkennen - würde ihr von da ab nicht - paradox genug! - augenblicklich eine neue Aufgabe geschenkt, quasi in den Schoß gelegt: nämlich zu ergründen - mit aller wissenschaftlichen Präzision, so versteht sich - was überhaupt Schönheit sei?!" - Mit dieser Frage beendete Major Kalloway seinen Vortrag und schaute den Freund, der neben ihm im makellos weißen Anzug stand, verschwörerisch an. Der hatte den Worten des Majors weich lächelnd zugehört und zuletzt in fast melancholisch wirkender Weise zustimmend genickt, während auf den Rängen des Hörsaals bereits der frenetische Klopfbeifall der Soldaten aufgebrandet war. Zu einem wahren Rattertosen steigerte sich der Applaus, als der Mann im weißen Anzug nun einen großen Malerpinsel in einen enormen Plastikeimer voller schlackerig-dünnem Haferflockenmilchbrei tauchte und dann die stolze Uniform des stramm dastehenden Majors mit dieser groben Pampe vorne lustig von oben bis unten triefig vollkleckerte - unter dem liebevoll-wüsten Gelächter der Soldaten, die vor lauter begeistertem Draufhauen fast die Pulte zerwuchtelten.
.......Da schwoll dem eitlen Major die Brust, die Ehre, die Wonne - und zuletzt - auch der Verstand!
.......Und in freudigem Ernst tauschten der Major und sein Freund einen festen, einen markigen Händedruck - und einen tiefen, liebenden Blick.

5.
DIE
SCHLUCHZENDEN
ARSCHGEIGEN

...ORT: Großraumtoilette der
.. Höllenstein-Kaserne.
.. ZEIT: anno Tobak.

Er hatte sich in der verstopften Kloschüssel an einem Großraumtoiletten-Stützpfeiler der Hoffnung unter der Zuhilfenahme der Schützenkordeln seiner Jacke festgemacht. An der Marmorsäule waren zusätzlich die beiden an den Brusttaschen hängenden Leistungsabzeichen befestigt, und oben am linken Ärmel klebte verschmiert mit Pattex das rote Trinkhörner-Wappen der Höllenstein-Kaserne. Prachtvoll kontrastierte in den mild hereinfallenden Lichtstrahlen die aufglühende Erhabenheit des Wappens und des golden aufgestickten Buchstabens K mit Springs gespensterhaft weißer Haut und seinem schwarzen Haar, welches seine polierte Halbglatze wie eine flimmernde Ewigkeit umgab und hinten und zu den Seiten umwand wie ein geteerter Lorbeerkranz! Wie eine Kackwurst! Wie eine verdammt wunderschöne Kackwurst!
.......Spring sah sehr gut aus. Seine Halbglatze war lediglich rasurbedingtes Produkt seiner Eitelkeit und ziehende Gedächtnisbrandung - nicht etwa banaler Haarausfall!
.......Für die Begriffe der Mannschaft hatte Spring seine hübsche Ausgehjacke in einen labenden Trugschluss übergedrückt. Er hatte die eigene Uniform liebend überall geküsst und seinen verschissenen Hosenboden zärtlich gestreichelt. Geigen der Dramatik, Geigen des Sieges über das Schicksal, Arschgeigen!
.......Seit dieser Zeit war Spring vonen! Er drückte das so durch: "Es handelt sich lediglich um irgendwelche internationalen Regelungen und nicht um Gesetze!"
......."Das hat zwar keine Gesetzeskraft, aber immerhin Gesetzeswirkung.", so antwortete ihm da die Mannschaft voller Freude im Chor.
.......Nun warf der geschärfte Hauptfeldwebel dem vor der Nachbarsäule stehenden Mann im weißen Anzug eine gewaltige und reich verzierte Supersahnetorte glorios mitten ins edle Angesicht. Der geschmolzene Camembert tropfte vom prallen, vor köstlichster Erregung schon bläulich schimmernden Fleisch von Springs Eichel. Er spritzte erstens ab bei dem Gedanken an die hochwertige Seiden-Innenausstattung seiner Hose und zweitens, ganz aktuell, als ihm das Schleckrecht zufiel!

6.
DIE TUGEND ALS FOLGE
DER UNSTERBLICHEN
INNERSEELISCHEN MORAL
UND ALS GEGENSTAND DES
ALLGEMEINEN INTERESSES

...ORT: auf dem Kasernenhof.
.. ZEIT: anno Tobak.

"Heiligkeit und Wonne unseres", sprach Kalloway auf dem Kasernenhof laut zu Richie und zu dem Anzugmann und fuhr fort: "Daseins besteht in der Achtung und dem Respekt, den wir allen Arten der Moral und ihrer sittlichen Folge, der Tugend, entgegenbringen. Der Moral als dem unverrückbaren Kern, dem eigentlich Ewigen, das die Unsterblichkeit unserer menschlichen Seele ausmacht. Denn alles, was an der Seele als Materie in Erscheinung tritt, stellt lediglich die korpuskulare Strahlkraft jenes Kernes dar, der eben die substanzfreie Moral selber ist. Daher allein ist Tugend sichtbar! Sie ist gewissermaßen `das um die Seele Gewickelte´ - und zwar in rein pseudoimmaterieller Ausprägung, weshalb sie uns so oft als nicht vorhanden erscheint. Aus diesem Gesamtzusammenhang folgt nun zwingend der Schluß, dass es für den Menschen nichts Wesentlicheres gibt als eben die dramatische Erscheinungsform der Tugend als Folge der unsterblichen innerseelischen Moral - und daher auch nichts Interessanteres. - Und es entspricht ja vollkommen unserer alltäglichen Erfahrung, dass das Interessanteste im Leben gerade unsere Tugend ist - ja, die Tugend überhaupt und alleine ist interessant!" - Major Kalloway beendete seinen Vortrag mit einem nachdrücklichen Nicken. Sein bester Freund, der heute einen dunkelblauen Maßanzug trug, und der leicht fette Rocker in seiner stinkenden Motorrad-Lederkluft hatten den Worten Kalloways aufmerksam gelauscht und ließen den Klang seiner warmen Stimme noch ein wenig in sich nachwirken. In den Eichen und Kastanien ging der Herbstwind sachte durchs leuchtend bunte Laub und erfüllte die Stille auf dem Kasernenhof mit leisem Rauschen. Einzelne Blätter taumelten wie traumtrunken auf den frostig grauen Asphaltbelag herab.
.......Der streng uniformierte Major nahm nun eine große Streichkäseecke und entwickelte sie elegant der Metallfolie. Mit zärtlicher Hand zerschmierte er dann den Salamikäs zärtlich auf dem schwarzbraun verdreckten Jeanswestchen, das der langzottelige Richie über seiner fettigen, alten, schwarzen Motorradjacke trug. Geduldig sah der verwahrloste Rocker zu, wie ihm der gelbe salamigepünktelte Schmier schön langsam links und rechts auf die schmutzigen Brusttaschen gekleistert wurde. Richtig liebevoll massierte der Major ihm diese zähe Creme in den schwitzig muffelnden Jesansstoff ein. Ein sanftes Lächeln umspielte dabei Richies schöne Lippen. Es wurde noch breiter, als ihm Kalloway gleich im Anschluß daran eine weitere Käseecke (diesmal eine mit Paprikageschmack) kreuz und quer auf den gewölbten Hosenstall seiner ultraversifften Jeans schmierte und sie ihm mit zärtlicher Hand auch dort so richtig schön einarbeitete. Einarbeitete unter dem frenetischen Applaus der Soldaten, die mit in den Armbeugen hochgereckt gelagerten Maschinengewehren ringsum auf den hohen Kasernenmauern dicht an dicht beieinander saßen. Die olivfarfenen Stahlhelme auf den stolz erhobenen Häuptern, so harrten sie dort oben wie ein Heer von zum Kampfe bereiter Engel und schütteten liebevoll höhnischen Beifall und obszöne Gesten wie Müll und Essensreste über den Hofplatz des Geschehens aus.
.......Der Herr im hocheleganten dreiteiligen Anzug hatte sich kurz entfernt und schritt nun wieder mit einer großen dampfenden Pizza herbei. Er präsentierte sie mit edlem Stolze dem Major und dem fetten und ewig stinkenden, täglich noch dreckiger aussehenden Rocker unmittelbar vor die Angesichter. Ja, er präsentierte diese reichbelegte Pizza seinen beiden Freunden mit derart grandios herausgestelltem Stolze, als hätte er das Prachtwerk selbst gebastelt.
......."Hier bitte: wunderbar belegt! Greift tüchtig zu!"
.......Richie und der Major ließen sich nicht lange bitten! Sie fassten voller Gier mit nackten Pfoten in den üppig belegten heißen Käseschmier und führten sich ein schleimiges Schleckerli nach dem anderen von der rasch immer lappiger aussehenden Pizza zum Munde. Schön zog sich dabei der Käse lang. Bald hing er ihnen von den Mäulern in Fäden zur Pizza oder einfach nur lustig runter - runter in langem Zieh von den Visagen auf die Klamotten! Auch der smarte Anzugmann bediente sich auf diese edle Weise von dem Fresswerk, welches er so eitel und galant für sie alle darbot.
.......Plötzlich (die Pizza in der Mitte hatte bei dem nun Folgenden die größte Mühe in der Beibehaltung ihrer korrekten Form) rückten die drei so unterschiedlich gewandeten Herren gesichtsweise ganz eng zusammen und küssten sich lang und heftig mitten im gierigsten Käsekauen und Schlingen und Schlucken. Wild glitschten ihre Zungen umeinander, fuhren über Wangen und bleckende Zahnreihen; Käs hing und zog sich bald munter kreuz und quer zwischen den Gesichtern und Klamotten wie abstrakte Kunst, klebte an ihren Kinnen und den unterschiedlich geschnittenen Bärten. Und jeder der drei Männer gierte spritzenden Speichels darnach, den Fraß wild dem anderen mit dem Munde aus dem Maule zu ziehen. Die Soldaten auf den Mauern johlten und hoben die Waffen siegesgleich hoch zu Himmel, der sich allmählich wie zum Triumphe mit feurigem Oktoberabend färbte.
.......Schließlich ließen die drei verzückten Herren wieder voneinander ab und schauten verklärt nieder auf die zwischen ihren Klamotten halbzerdrückte Pizza, die nun wie ein verzogenes steifes Tuch ebenso lässig als lätschig über der Hand des Mannes hing, des Mannes in dem maßgeschneiderten dunkelblauen Dreiteiler. Breite Käsefäden führten von der "Oberfläche" des zernudelten Backwerks zu den Klamotten der drei Herren und umgekehrt.
.......Zaghaft versuchte Major Kalloway sich den fetten Käse vom strengen Uniformjackett zu ziehen. Auch der feine Anzugmann schickte sich nun an, sich das Fresszeug von den Klamotten abzumachen, welches ihm besonders reich an den Revers, der Weste, am weißen Hemd sowie an der dezent gemusterten roten Seidenkrawatte klebte. Sogar seine Hose hatte etwas von dem öden Schmierdreck abbekommen!
......."Sieh mal, wie das hier klebt...alles voll...das geht gar nicht mehr runter!"
......."Macht es doch wie ich, und lasst das Zeug einfach drauf!", schlug Richie weise vor. Er rülpste und wies voller Stolz auf seine vor alten und neuen Speiseresten nur so strotzende Montur.
.......Kalloway nahm dem Herrn im blauen Anzug die lappige Pizza zärtlich von der gespreizten Hand und bat den Rocker, er möchte sich mal kurz die Jacke aufhalten. Und als der sich nun artig die Lederjacke wie eine strahlende Sonne richtig schön weit aufhielt, klatschte ihm der Major die halb abgegessene Pizza volle Kanne vorne auf sein verdrecktes T-Shirt drauf, und zwar exakt mitten auf das herrliche Grateful Dead-Motiv! Er drückte und patschte sie ihm ordentlich darauf fest und machte ihm dann darüber hübsch säuberlich die schwere Lederjacke zu, ihren Reißverschluss bis zum Ansatz der Revers hochziehend. Die Soldaten auf der Mauer johlten und klatschten nur so vor barer Begeisterung.
......."Mann, tut das gut! Die ist noch richtig warm!", schwärmte der dreckige Rocker und drückte sich genüsslich vorne auf der Jacke herum, darunter ihm die schöne Pizza köstlich matschte.
.......Der Major ging und schleppte nun einen großen Eimer voll frisch angerührtem Tapetenkleister heran. Mit zwei großen Anstreicherpinseln verschönerten Kalloway und der Herr im blauen Maßanzug nun zärtlich und sanft Richies gesamte Vorderseite. Und zwar so heftig, dass der Kleister nur so spritzte! Auch die beiden "Anstreicher" selbst kriegten einiges von der erhabenen weißen Sülzpampe ab. Die Begeisterung der Soldaten auf den hohen Umschließungsmauern der Höllenstein-Kaserne kannte nun keine Grenzen mehr: Jubel, Trubel und Applaus brandeten in den frühen Abend, lustiges MG-Feuer ratterte in die fast noch ungeborne Nacht, Rauch zog von den Waffenmündungen davon wie heiliger weißer Atem.
.......Richie (dessen Vorderseite nun aussah, als hätte ihn ein vornehmer Riese mit seinem kostbaren Sperma über und über vollgemacht) wischte sich den kalten glitschigen Schmier von den Augen und stolzierte zu seiner funkelnden Honda. Er schwang sich munter auf sie drauf wie auf ein auf ihn wartendes Weib. Sein Atem wehte weiß in der kalten Dämmernis. Er warf die Honda an und fuhr dann in weitem Kreise immer wieder um seine beiden Freunde herum, entlang an den Gebäudefronten und den Kasernenmauern, von welchen die Soldaten anerkennend auf ihn herniederspuckten, ihn lustig beschimpften und mit leeren Patronenhülsen bewarfen als wie mit Blumen. Immer wieder feuerten die Männer in die Nacht. Sie soffen und grölten und sangen. Und das Knattern der Honda unterstrich ihre süßen, ihre harsch klingenden Lieder.
.......In all der Kälte standen der Major und der elegante Anzugmann und sahen von der Mitte des Hofes aus gerührt zu. Schließlich tauchte Kalloway einen großen, dreckigen, alten Putzlumpen tief in den etwa noch halbhohen Rest Tapetenkleister und hob ihn dann üppig mit der grusligen weißen Pampe behangen wieder aus dem Eimer hervor. Der Lärm ringsum schien noch lauter anzuschwellen. Der Major hielt den lustig triefenden Lappen seinem eleganten Freunde mit weit ausgestrecktem Arme entgegen und brüllte ihm laut durch all den Krach Folgendes zu: "Sie spielen doch immerso begnadet Ihren Schubert und ihren Chopin! Wie träumend gleiten dabei Ihre Hände über die Tasten! Sie haben so unendlich sensible Finger! Hier bitte! - Machen Sie mir die Freude!"
.......Der Herr in dem blauen Maßanzug deutete edel eine Verbeugung an und griff sich angetan an die von Käse besudelte rote Seidenkrawatte. In feierlichem Ernst nahm er den übertriefenden Putzlumpen vorsichtig an sich.
.......Kalloway haute es sogleich die Schirmmütze vom Kopf (und sie landete hinten weich in dem Bottich mit frisch angerührtem Zement), als dem Major von seinem edlen Freunde dieser kalte und schauderhaft schleimnasse Putzlumpen nun mehrmals ordentlich links und rechts in die Fresse geklatscht wurde.

0.
DAS UNIFORM-CHINTZ-
FELDBLOUSON-GEDICHT

(Epilog)

...ORT: Kantine der
.. Höllenstein-Kaserne.
.. ZEIT: anno Tobak.

Der junge Soldat stand breitbeinig über dem zerbrochenen Hühnerei, und zwar nach rechts gewandt. Er machte routinemäßig seine Meldung:

...........Der junge Soldat stand breitbeinig
...........über dem zerbrochenen Hühnerei,
...........und zwar nach rechts gewandt.
...........Er machte routinemäßig seine Meldung:

...........Das Uniform-Chintz-Feldblouson
...........der neuen Generation:
...........mit aktueller kontrastfarbiger Schulter
...........und mit PU-beschichtetem Polyester-Baumwoll-Gewebe (145).

Der Soldat legte die Euroschleck-Karte vor. Es war zu vermerken: Der
Quark tropfte von dem jungen Feldjäger und seinem nagelneuen Uniform-Chintz-Feldblouson in Hülle und Fülle ab.
.......Der geschmolzene Camembert sabberte vom prallen, vor allerköstlichster Erregung schon bläulich schimmernden Fleisch seiner Eichel munter aufs Parkett.
Blumen für Picasso!

ENDE

HÖLLENSTEIN-MEMORIES (1999)
© 1999/2002 by Sammy Tornado,
ZERO ZOXX INTERNATIONAL und
Babel Verlag, Geisterstadt.

Weiteres aus dem Kalloway-Mythos:

Der Versand war groß und glücklich
Major Kalloway und sein Tortengesicht