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Sammy Tornado

STREIFENWAGENÜBERGABE
AN DIE POLIZEI

POP
IST
TOT

POP
IST
TOT

* * *
Hei nun! Wie du kamst?
Zu Roß rittest du nicht;
ein Schifflein führte dich her.
Doch zu dem Schifflein
hier auf den Schultern
trug ich dich; - die sind breit;
sie trugen dich dort zum Strand.

Tristan und Isolde, dritter Aufzug:
Kurwenal zu Tristan



Wie ein wundervoller Vormittagstraum!
......Hell und klar strahlte das Licht dieses herrlichen Sommertages. Die Luft war leicht, lau und duftig. Der Himmel leuchtete in reinstem Blau, durchsetzt mit den wattigen Ballen einzelner Schönwetterwolken, die gemächlich über dies prächtig sich spannende Gewölbe trieben.
......Erhabener Friede durchzog meine Seele, während ich leicht dahinschritt, dahin durch diese herrlichen Straßen mit den blank im Lichte blitzenden Fensterscheiben und dem saftigen Grün der mächtigen alten Eichen.
......Als ich in die Straße einbog, die zu dem großen Platz führt, welcher sich zwischen den beiden riesigen klassizistischen Bauwerken des Polizeipräsidiums und des Theaters erstreckt, da erblickte ich etliche Polizisten, die teils in kleinen Gruppen dastanden und plauderten, teils zielstrebig ebenfalls auf den Platz zuhielten.
......Etwas Festliches haftete dem Gebaren dieser Schutzmänner an. Die meisten trugen ihre Ausgehuniform und etliche hatten sich ihr ovales goldenes Leistungsabzeichen mit dem  zwölfzackigen Stern am Knopf der rechten Brusttasche angeklemmt.
......Erfreut durch den Anblick all der zahlreichen Polizeibeamten beschleunigte ich meinen Schritt und lenkte ihn jenen grün Uniformierten nach, welche auf den großen Platz zugingen. Je näher ich dem Platze kam, desto mehr Polizisten sah ich und der sanfte Wind trug mit einem Male festliche Marschmusik an mein Ohr.
......Ich glaubte auf einmal dahinzuschweben, so leicht waren mir plötzlich die Beine beim Anblick all der vielen Männer in Grün geworden.
......Und dann erreichte ich den Platz!
......Ich kann gar nicht beschreiben, welches Übermaß von höchst freudigen und doch zugleich so tief ehrfürchtigen Gefühlen mich bei all dem Wunderbaren und Erhabenen durchströmte, das sich hier nun meinen Blicken bot.
......Ergriffen blieb ich stehen.
......Welch wundervoller Anblick!
......Welch Atmosphäre des köstlichsten Friedens!
......Mir war, als hätte ich Asgard, das himmlische Land mit den zwölf weithin strahlenden Schlössern betreten!
......Einem Gebete gleich kam es mir spontan über die Lippen, vorgetragen in leisem Flüstertone: "Nun mögen die Asen bei Ägirs Bier wacker trinken den Winter hindurch!"
......Ich schauderte vor Glück. Aus tiefster Brust und aus den tiefsten Tiefen meiner Seele entrang sich mir ein Seufzer wie eine sanfte Brise, die durch die Krone der Weltesche weht, fast unhörhörbar zittern lassend das heilige Laub.
......Nur einen Schritt weit von mir entfernt stand ein junger schmucker Polizist mit einem schönen, kecken, gleichmäßig gestutzten Oberlippenbärtchen. Dieser Schutzmann hatte mein Seufzen wohl vernommen, denn sein Blick war mir zugewandt und er schenkte mir ein verständnisvolles, ein freundliches, ein warmes Lächeln. Seine Augen leuchteten so blau wie der Himmel dieses herrlichen Tages und seine Hände spielten mit dem gründlich blank polierten schwarzen Schlagstock. Ich erwiderte sein nettes Lächeln, dann blickten wir wieder hin über die Herrlichkeiten all auf dem großen Platze.
......Dort standen auf der weiten Fläche zwischen den beiden prächtigen Springbrunnen genau hundert nagelneue Polizeiwagen der Marke BMW. In zehn sauberen, gleichmäßigen Reihen parkten in genau gleichen Abständen zueinander je zehn dieser Wägen. Die Abstände zwischen ihnen betrugen jeweils wohl etwa einen Meter. Die polierten weißen Dächer gleißten im hellen Sonnenlicht und ein jedes war prunkvoll gekrönt von einem herrlichen Blaulicht, das geheimnisvoll wie ein riesiger dunkler Saphir schimmerte.
......Jedem Wagen zugeordnet stand in schmucker Ausgehuniform ein Polizist in aufrechter Haltung mit leicht gespreizten Beinen neben der geschlossenen Fahrertür. Die Schutzmänner wirkten wie Reiter, die stolz neben ihren edlen rassigen Pferden für den Parademaler posierten.
......Sie blickten mit den Frontscheiben der fabrikneuen Streifenwagen in Richtung einer mit Lorbeer geschmückten Tribüne, die neben dem hohen ionischen Säuleneingang des Theaters errichtet worden war. Auf der Tribüne standen etwa fünfzehn hochrangige Beamte mit grünen Schirmmützen und salutierten während der gesamten Dauer des Marsches in strammer Haltung und mit stolzem Blick ihren bei den Streifenwagen stehenden Kollegen zu.
......Auf der linken Seite des Theatereinganges befand sich, gruppiert zu einem weiten Viertelkreis, das große, jenen feierlichen Marsch spielende Polizeiorchester.
......Wohin mein Blick auf diesem Platz auch ging, wohin ich mich auch wandte: Von allen Seiten strömte ein überwältigendes Übermaß von Schönheit, von großartigster Erhabenheit und von vollkommenstem Frieden urgewaltig auf mich ein.
......In etwa zwei Meter Abstand zu dem riesigen Viereck, welches die Reihen von fabrikneu funkelnden Streifenwagen insgesamt auf dem Areale bildeten, stand ringsum eine gewaltige Menge weiterer Polizisten als Zuschauer, die wie ich das herrliche Schauspiel genossen. Sie trugen die verschiedensten Varianten die man nur von Polizeiuniformen kannte. So sah ich weiße und grüne Schirmmützen, ich sah Schutzmänner, die einfach das schlichte dottergelbe Uniformhemd mit den dunkelgrünen Schulterklappen offenen Kragens trugen, andere mit korrekt gebundener grüner Krawatte. Manche hatten ihre dunkelgrünen, im hellen Lichte seidig schimmernden Dienstanoraks an, sehr viele das schmucke und edle Ausgehjackett. Einige andere wiederum die markig glänzenden schwarzgrünen Kernlederjacken mit den zwei Reihen silberner Metallknöpfe - und manch einer trug sogar seinen langen schwarzen Uniform-Ledermantel. Und in der Nähe ihrer Feuerstühle, die prächtig funkelnd und schimmernd im Sonnenlicht standen, saßen einige junge Polizisten auf den hohen Steinstufen des Polizeipräsidiums in ihren wuchtigen lindgrünen Motorrad-Ledermonturen und hielten auf den Knien oder unter den Armen ihre blankpolierten weißen Sturzhelme.
......Außer mir schien kein weiterer Zivilist zu diesem Fest gefunden zu haben, denn ich war - soweit ich gewahrte - der einzige hier weit und breit.
......Ich gab mich völlig dem Genusse hin. Ach, welch süßer Schmerz wütete mir da so wild in meiner Brust! Ach, welch Walhall edelster Gedanken und Gefühle erwuchs da aus der Seele mir! Wie mussten mich die Götter lieben, dass ausgerechnet mir den Schritt hierher sie gelenkt, dass sie mit der unendlichen Ehre mich beschenkten, all diesem hier beiwohnen zu dürfen!
......Der junge Schutzmann mit dem schönen Oberlippenbärtchen hatte wohl meine süße Seelenfreudenpein bemerkt, denn er fasste sanft meinen Arm und sprach: "Mein Freund, ich sehe, wie sehr dir all dies gefällt. Du wohnst hier der Übergabe der neuen, mit Katalysator ausgestatteten Streifenwagen an die Polizei bei. Wenn du möchtest, dann gehe hier ruhig ein wenig herum und sieh dir alles an; du brauchst nicht hier am Rande stehen zu bleiben."
......Während er mir dies erklärte, blickte er mich mit so freundlich strahlenden Augen an, dass es mir wohl und wehe ums Herz wurde und sein Atem streifte mich dabei so frisch und kühl, dass mir Nietzsches klares Bächlein in den Sinn kam, an welchem der Einsame sich im Gebirge labt.
......Als ich noch zögerte, fuhr der freundliche Schutzmann fort: "Nun los denn, mein Freund, geh und genieße all dies, denn so etwas gibt es nicht alle Tage!"
......Und wie um seine Worte zu unterstreichen, versetzte er mir fröhlich lachend mit seinem Schlagstock einen durchaus sehr festen und freundschaftlichen Hieb auf den Hintern.
......"Das hat zünftig gesessen!", sprach ich und grinste den lachenden Polizisten kameradschaftlich an. "Und vielen Dank für die Auskunft!"
......Wir grüßten uns heiter, dann schritt ich fröhlich los, mir mit beiden Händen lustig den Hintern reibend.
......So schlenderte ich auf dem Platz herum und erntete von allen Polizisten, an denen ich vorüberkam, ein freundliches Lächeln.
......Und ich, ich konnte mich gar nicht satt sehen an den herrlichen fabrikneuen Streifenwagen und all den schmuck uniformierten Beamten, deren schöne und edle, oft bärtchengeschmückte Polizistengesichter würdig und stolz blickten. Wie prunkten und gleißten meinem Schauen all die wundervollen Schulterklappen und herrlichen Abzeichen an den Brusttaschen, Ärmeln und Schirmmützen. Hier funkelten im kristallklaren Lichte des Vormittags die goldenen Knöpfe an den Uniformjacken, dort spiegelte die Sonne über die Dächer der nagelneuen BMWs. Und überall in der weichen, der warmen Luft hing betörend der Duft von Rasierwässern aller Sorten, auch der von würzigem Männerschweiß und ...manchem mehr.
......Ich fragte mich, wie lange ich wohl noch all die Schönheit, die Erhabenheit und diesen köstlichen, wundervollen Frieden würde ertragen können, ohne ohnmächtig zu werden.
......Inzwischen war der Marsch verklungen und nach einer kurzen Pause begann einer der hochrangigen Polizisten auf der Tribüne eine würdevoll-fröhliche, mit leicht dreckigen Ausdrücken gewürzte Rede zu halten. Aus etlichen Lautsprechern hallte dabei seine warme und männliche Stimme kreuz und quer über den großen Platz.
......Als der Beamte nach etwa zehn Minuten seine deftig gewürzte Rede beendet hatte, setzte eine fast heilige Halbstille ein. Niemand bewegte sich und auch ich war stehen geblieben. Lediglich ein paar Polizisten plauderten da und dort verhalten miteinander. Sonst hörte man nur das sanfte Rauschen des milden grünen Windes in den Eichen und das Sprühen der hohen weißen Fontänen der Springbrunnen.
......Das heilige Lindgrün der Uniformen, das saftige Grün der würdigen Eichen: Die laue Luft wehte all dies Grün!
......Und die tiefinnerlichsten, die urangenehmsten Gefühle, welche mich durchströmten, ließen mich erschauern - ich wähnte mich alsbald wie in einem Traume.
......Ach, was wurde mir leicht! Ich fühlte mich so rein, so frei! Tiefster Friede hatte sich bis an den Horizont meiner Seele ausgebreitet. Eine weite grüne Sommerlandschaft lag nun darin, auf der sich ein vom heißen Mittagslicht erschöpfter Wanderer unter den Schatten einer geweihten Eiche zum Schlafe niederlegt, alsbald geleitet zum Traume durch den schläfrigen Gesang der Vögel im Gezweig.
......Sanft streichelte mich der grüne, der laue Wind.
......Von dort aus, wo ich gerade stand, konnte ich den Riesenpulk der Streifenwagen und die bei ihnen stehenden Polizisten von vorne sehen. In meinem Rücken war unmittelbar der eine der beiden Springbrunnen, links dahinter stand das Polizeiorchester, rechts hinter diesem befand sich die Tribüne mit den hochrangigen Polizisten und in deren Rücken erhob sich das mächtige, mit wehenden dunkelgrünen Flaggen geschmückte Theatergebäude. Sanft strich der laue grüne Wind über den großen Platz.
......Genau wie die Polizisten bei den Wagen, so hatte auch ich mich mit etwas gespreizten Beinen hingestellt; wie sie, war auch ich von höchstem Stolz erfüllt.
......Mir war ja so wohl! So unendlich wohl!
......Ich weiß nicht mehr genau, wann ich schließlich gewahrte, dass plötzlich auch ich eine Polizeiuniform trug - komplett mit Abzeichen und allem funkelnden Drum und Dran. Mit heiligem Schauder blickte ich stolz an mir herab. Ehrdurchflutet befühlte ich dann den glatten, polierten Schirm meiner Schirmmütze. Dankbar hob ich wieder den Blick und ließ ihn über den mit meinen Kollegen dicht bevölkerten Platz schweifen.
......Da seufzte ich ein weiteres Mal tief auf. Unendlich viel tiefer als zuvor! Ja tiefer denn je in meinem ganzen Leben!
......Und ringsum wehte die lauschige, die lindgrüne und helle, heilige Halbstille.
......Ach, wie schlug mir das Herz stolz in der Brust! Ach, was musste meine Seele an köstlichster Freudenpein erdulden! Ach, in welche Ströme der herrlichsten Gefühle wurden Körper, Geist und Seele mir getaucht! Ach, wie war mir leicht - ach, wie unermesslich leicht! Und ach und ach und ach: Wie selig zart rieselte und pieselte es mir über die Beine, als ich mir dann tiefbeglückt in die schöne neue Uniformhose pinkelte!
......Wisst ihr noch mehr?
......Wisst ihr noch mehr?

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ENDE
(1987)

STREIFENWAGENÜBERGABE
AN DIE POLIZEI

© 2002 by Sammy Tornado,
ZERO ZOXX INTERNATIONAL
und Babel Verlag, Geisterstadt.

Erstveröffentlichung 1994
im ZERO ZOXX GROSSBAND 7

Erste Aktualisierung: Mai 2006
Zweite Aktualisierung: 24.12.2007
 
ZERO ZOXX INTERNATIONAL-LOGO
© 2002 by THE ZERO ZOXX CHURCH,
entworfen 1985 von Zero Zoxx

GEISTERPRODUKTE-LOGO
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© 2002 by ZERO ZOXX INTERNATIONAL,
entworfen 1976 by J.G.Wind

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The Katja Ebstein Revival Band







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