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Zerophist (porträtiert von J.G.Wind)
Pierrot Lunaire
Aleister Crowley
Aleister Crowley
Pierrot Lunaire
Arnold Schönberg
Aleister Crowley
Aleister Crowley
Arnold Schönberg
MARY UND ALEISTER -
THE DELICATE CLEANING RAG
Über die Beziehung von Aleister Crowley und Mary Binder
von Adelheid Fröhler
I. IM BUCH SEINES LEBENS

Unter all den Begebnissen im Dasein des weltberühmten Magickers Aleister Crowley ist jene Affäre mit der amerikanischen Mystikerin Mary Severine Binder eine der wohl am wenigsten beachtete. Viele seiner Biografen erachten diese (obwohl sehr stürmische) Periode seines Lebens nicht einmal für wert, sie auch nur in den Anmerkungen ihrer Schriften zu erwähnen. Jedoch, was oft wie der Spross der Ignoranz erscheint, ist in Wahrheit lediglich ein Kind des schlichten Nichtwissens. Viele Kenner wiederum charakterisieren die Beziehung des "Satanisten" zu der "Weißmagierin" eher als eine Art Betriebsunfall in seiner Biografie, denn als eines der entscheidenden Kapitel im mystischen Buch seines Lebens.

II. KUNST UND MAGIE

W.B.Yeats, einer der Mitbegründer des berühmten Hermetischen Ordens von der Goldenen Dämmerung, der in Mary Binder (damals Mitglied in einem schottischen Wanderzirkus) ein spiritistisches Talent sondergleichen sah und daher wiederholt versuchte, die junge Frau für den Orden zu gewinnen, scheiterte jedoch an dem Umstand, dass Mary zu der Zeit bereits über erstaunlich konkrete und ausgereifte mystische Vorstellungen und Praktiken verfügte, die sie aus eigenen Forschungen und Experimenten, vor allem über das Thema der Beziehung zwischen Kunst und Magie, gewonnen hatte. Sie war bereits viel zu autonom geworden, um sich allzu leicht von einer Organisation, und sei es auch der Orden von der Goldenen Dämmerung, so einfach zur Mitgliedschaft überreden zu lassen. In der Hoffnung, dass sie sich vielleicht von einem Mann mit so suggestiver Persönlichkeit, wie Aleister Crowley sie besaß, zur Mitgliedschaft im Order Of The Golden Dawn bewegen lassen würde, machte Yeats die beiden miteinander bekannt. Der aus ihrer Bekanntschaft - die sich äußerst rasch zu einer überaus innigen Liebesbeziehung intensivierte - bald resultierende Skandal, der hinlänglich bekannt ist und hier nicht wiederholt zu werden braucht, erschütterte die damalige okkulte Szene Englands wie ein Erdbeben und tauchte sie schlagartig in ein befremdend grelles, dubioses Licht. "DER MAGIER UND DAS TINGELTANGEL-GIRL VOM ZIRKUS" titelte THE TIMES anzüglich, als die britische Salon-Presse einige hochpikante Details über Schwarze Messen, verheerende Kokainräusche sowie Sex- und Fäkalorgien mit abstrusen, sadomasochistisch orientierten Praktiken ans Tageslicht zerrte.
III. SEX, HEROIN, MUSIK UND SPIRITUALITÄT

Wie auch immer, die Affäre schlug in der Bevölkerung höchste Wellen der Empörung und ruinierte Marys Ruf auf Jahrzehnte hinaus, während sie Aleisters dubiose Berühmtheit deutlich steigerte. Beiden war jedoch die Meinung anderer, und gerade die der von ihnen ohnehin aufs Äußerste verachteten Öffentlichkeit, vollkommen egal. Sie nahmen die Skandale wie sie kamen und gingen. Allerdings wurde Aleister wegen einiger besonderer Eskapaden der Boden in England bald ein wenig zu heiß, und so ließen die beiden Okkultisten sich einfach, vom Sturm der Liebe getragen, ein wenig durch Europa wirbeln, wo sie schließlich mit ihren Anhängern in der Nähe der Küste Siziliens landeten: Sie schlugen ihr Lager in einer alten Abtei in Cefalù auf, die in die okkulte Geschichte Europas als Villa Thelema einging. 1974, ein halbes Jahr vor ihrem Tode, äußerte sich Mary Binder in einem Interview für Rolling Stone über diese turbulente Phase ihres Lebens so: "Was ich und Aleister und all die anderen aus unserem Kreis in jenen Tagen trieben, war nichts anderes als ein historisch ein wenig vorgezogener Flowerpower!... Sex, Heroin, Musik und Spiritualität - und die Suche nach einem Leben fern von den öden Regeln des Establisments. ...Als sie uns schließlich des Landes verwiesen, angestachelt von diesem verrückten Bischof, taten sie es auch noch mit dem bekannten Vorwurf, wir hätten im Drogenrausch bei einer Schwarzen Messe ein Kind getötet, es wie ein Schwein im Feuer geröstet und dann aufgefressen. Dabei war es nur eine Figur aus schwarzbraunem Lebkuchen, die wir nach dem Vorbild des Kindes auf dem Gemälde `Der Frühling´ von Giorgio de Chirico selbst gebacken hatten. Heute kann ich es ja sagen: der Teig hatte natürlich Drogen enthalten! Kiff! Vielleicht ist daraus ja der heute recht üblich gewordene Brauch entstanden, Haschisch in den Kuchenteig zu tun."

IV. PIERROT LUNAIRE UND DIE KOMMUNIZIERENDE RÖHRE
All dieser, wohl also stark durch Dada, Dalí und Drogen inspirierte Klamauk darf aber nicht den Blick auf die ernsten okkulten Forschungen der beiden Magicker verstellen und auf die tiefe mystische Inspiration, die die beiden im Verlaufe ihrer bewegten Beziehung erfuhren und bei welchen sie uns in umfangreichen Zeugnissen, Erzählungen und Gedichten literarisch teilhaben lassen. Nur einmal verließ Mary "das stinkende Haus" für einige Wochen, um auf einer Kurztournee durch verschiedene Städte Italiens erstmals überhaupt in italienischer Sprache den Pierrot Lunaire Arnold Schönbergs zu geben (hier wurde einmal nicht Schönbergs Musik ausgebuht, sondern der Vortrag des Melodrams durch eine "Satanistin"). Es heißt, auf dieser Tournee, sei ihr der Einfall zur Kommunizierenden Röhre gekommen, einer Erfindung Mary Binders aus der Zeit nach der Rückkehr in die Abtei. Die Kommunizierende Röhre war eine spezielle Glasapparatur für bestimmte chemische und metachemische Experimente; er sollte sich besonders für die Schaffung chymischer Hochzeiten mittels geistig erzeugtem Plasma eignen. Die empfindliche Glasapparatur, deren oberer, einem Phallus nachempfundener Kolben angeblich stets mit einer Mixtur aus von einem Priester geweihtem, flüssigem Leuchtgas und Aleisters eigenem Urin gefüllt war, ging schließlich bei den sich überstürzenden Ereignissen der "Landesflucht" zu Bruch. "Ein letztes Mal glänzte in diesem Hause der Urin von Aleister auf dem Teppich - sein Nass so verschüttet zu sehen schmerzte plötzlich wie ein Vorbote der Trennung!" Und es war so - von diesem Moment an ging jeder der beiden seine eigenen Wege und man sah sich nie wieder. Angelika Binder, die Tochter, schrieb 1983: "Es war sicher kein Streit vorausgegangen, aber diese schändlichen Ereignisse sowie die plötzliche rätselhafte Zunahme von Visionen und anderen parapsychologischen Phänomenen, die sie in jener Zeit ungewollt erfuhr, belasteten sie eminent; hinzu kam natürlich, dass sie mit meinem Bruder Herbert bereits im achten Monat schwanger war - all das zusammen führte wohl zu ihrem plötzlichen, kurzschlusshaften Abschied von Aleister Crowley. Es war aber sicher irgendwie auch für beide gerade zur rechten Zeit eine Befreiung für je eigene Wege..."

V. THE DELICATE CLEANING RAG

Eine der mystischen Praktiken, die Aleister Crowley und Mary Binder in der gemeinsamen Zeit in Cefalù entwickelten, und die viele eingeweihte Magicker bis heute ausüben, ist The Delicate Cleaning Rag, eine Art umgekehrter Exorzismus, der zum Ziel die Austreibung Gottes aus den Körpern der von ihm Besessenen hat (!).
(4.Jänner 2003)
Zum Ritual des
DELICATE CLEANING RAG
Angelika Binder als Pierrot (Bleistiftporträt für das Programmheft zu "Pierrot Lunaire" - "Italienische Tournee"
Aleister Crowley u. Mary Binder
Aleister Crowley u. Mary Binder
Mary Binder a. Aleister Crowley
Mary Binder a. Aleister Crowley
MARY UND ALEISTER - THE DELICATE CLEANUNG RAG
© 2003 by Heidi Fröhler, ZERO ZOXX INTERNATIONAL und Babel Verlag, Geisterstadt.
Die Seite wurde 2003 eingerichtet.
Erstes Update: 13.April 2008.
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