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ZERO ZOXX INTERNATIONAL
.präsentiert.
.SAMMY TORNADO´s.
An seiner Brust, welcher Eichenlaub surreal entspross, sah ich männliche Geschlechtsorgane in Erektion. Er trat aus der Tür seines Hauses und blieb stehen.
......Der Mann hatte einen auffälligen Schnurrbart: groß, wirr, wie Schamhaar. Die Szene, die sich ihm darbot, war mit tänzerisch leichten Pinselstrichen gemalt.
......Er schloss die Augen und eine Sekunde später, als er sie wieder öffnete, war plötzlich sein Freund da, dessen Gesicht er im Profil sah, und das den Ausdruck vollkommenster Ruhe trug.
......Eine Brise entfachte über ihnen ein erfrischend frostiges Rauschen und ein Schwall herbstlicher Blätter regnete herab.
......Kurz darauf kam schon seine Eiche in Sicht. Ihr flammend gelbes Herbstlaub schien im schräg einfallenden Licht regelrecht zu brennen. Uns gegenüber stand groß und orangegelb die Sonne.
......"Dies war einst eine altgermanische Kultstätte!"
......"Da! - Im Wald hat sich ein Baum bewegt!"
......Er stieß schaurigste und blasphemischste Flüche aus. Die beiden Männer standen starr wie angewurzelt. Der Herr der beiden lehnte sich an den Wagen - erstens, weil es wohl etwas dauern würde, bis sie fertig waren - und drittens, weil er ihnen gerne zuschaute und hierbei eine bequeme Körperhaltung beanspruchte.
......"Ich mach´ Ihnen eine hübsche Extraportion zum Nachtisch!"
......Er löste sich vom Wagen und ging wieder ins Haus. Dort bestanden seine Handlungen nach dem Ablegen des Hutes darin, dass er sich mit seiner ganzen Sammlung von BRAVO-Heften auf den nackten Boden setzte und eins nach dem anderen mit pedantischer Sorgfalt durchging, die besten Poster herausnahm - etwa 206 an der Zahl - und diese dann im ganzen Hause an alle Möbel und Wände pinnte. Es waren in der Hauptsache solche Poster, welche Stars wie Goethe, Schopenhauer, Wagner, Nietzsche, Böcklin, de Chirico, Schönberg, Spengler, Dalí, Kauka, Scheer oder Ballard in knallbunten Popfarben zeigten. Und zwar zum Beispiel als Babys, die sich nackend auf Bärenfellen rekelten, oder als zirka neunzehnjährige Flegel in ultraheißen Lederklamotten, posierend vor mit Seesternen und Muscheln behangenen Fischernetzen.
......Das herrlichste, das farbenfrohste Poster machte er dicht jenseits über dem Fußende seines Bettes an der seitlichen linken Schrankwand fest, so dass er es nun immer sehen konnte, bevor er sich des Abends in Gottes liebe Obhut begab und sich des Morgens wieder daraus erhob. Es zeigte Friedrich Nietzsche im Swimmingpool der Villa Wahnfried, durch dessen glitzerndes hellgrünes Wasser er soeben in einem eleganten dunkelblauen Anzug und mit frechbunt geblümter Krawatte hechtete, um einen NIVEA-Ball zu fangen, den ihm Cosima - seitlich im Hintergrunde zu sehen - vom Beckenrande her zuwarf.

Einer jener Schattenfinger berührte den Sockel einer der antiken Säulen. Dann wies er auf die andere Seite des von der untergehenden Sonne rötlich beschienenen Hauses.
......Der Mann wurde aus seiner Kurzbetrachtung durch Gewieher und Hufgeklapper eines Pferdes gerissen. Die Peitsche malte ein großes geschwungenes N in die Luft. Du hattest dir damals die Romane nach Italien schicken lassen. Heute leuchtet dir noch realer, noch heller, noch farbiger das Morgen aus jener Zeit.
......"Unterschreiben! Da unten."
......"Man unterschreibt in den meisten Fällen irgendwo da unten!" Sie schwiegen einige Momente.
......Als der Mercedes wieder zu rappeln begann, hauchte er: "Es war eher ein Hauch denn eine Berührung." Und er zauberte mit diesen wenigen Worten ein Lächeln auf die schönen Lippen des Mannes. Ein Wassertropfen sickerte in die Erde. Eine neuerliche Brise entfachte über ihnen ein erfrischendes Rauschen. Danach herrschte wieder seufzend klare Stille. Wir empfingen ehrfürchtig die Ewigkeit.

Nietzsches Pferd weidete in Dantes Wald der Selbstmörder.
......Als der hellblaue Mercedes die enge Kurve um den großen Felsen nahm, fiel dem Mann wieder jener Papierdrache ein.
......Er wandte sich um. Als er die fragend dreinschauenden Gesichter seiner Freunde gewahrte, meinte er: "Natürlich!"
......Später, als er auf die Eiche zuschritt, hielt ihn der Kerl mit der wuchtigen schwarzen Motorrad-Lederjacke und dem röschengemusterten Schlips sanft am Ärmel seines Hemdes fest. Die Sonne wärmte uns, aber die Luft roch bereits frostig. Wir saßen einige Zeit mit geschlossenen Augen da. Wir wussten, dass jetzt das brennende Viereck den Himmel küsste. Die Zeit verging.
......"Machen Sie doch ein paar Wochen oder Monate hier bei uns Urlaub. Oder ein paar Jahre!"
......"Pack! Dreck!"
......"Selbstverständlich würden wir einige Massenerscheinungen organisieren", sagte er, legte den Rückwärtsgang ein und fuhr etwa dreißig Meter zurück.
......"Hier halt an! Schau - dort drüben!"
......Der in dicke warme Mulldecken eingewickelte Mann saß zwischen den beiden Männern im Fond. Er zog sich die Socken aus dem Mund. Als Kind hatte er immer davon geträumt, einmal Baggerführer zu werden. Und später dann wandte sich sein Interesse hin zu pikanter Literatur. Eines Nachts hatte er Hagen beobachtet, als dieser gerade Sack für Sack den Schatz im Strom versenkte. Und urplötzlich war er dann in strahlend hellem Sonnenschein gestanden und zu einem wirklich seelenhaft greifbaren Wesen geworden.
......"Die wunderbarste Musik, die ich kenne, ist das für Eurowestern typische trockene Knirschen von Schotter unter den harten Cowboystiefeln von finsteren Gunfightern."
......Sie saßen am Rundtisch auf der Veranda.
......"Nein!", dachte ich. "Diese langweilig zurückgekämmten Haare!" Und also schlug ich ein rohes Hühnerei in mein Zahnputzglas. Ich verrührte darin das Eiweiß und den Dotter munter mit zwei Fingern zu einer ödgelben Brühe, die ich mir anschließend schön fettig ins Haar kleisterte. Mit meinem geilen schwarzen Plastikkamm machte ich mir nun eine echt hübsch sabbrige Voll-da-neben-Frisur, wobei mit der Pamp nur so aus den Haaren und vom Kamme schlabberte, überall lustig auf mein Jackett und auf meinen bieder-eleganten Blümchenschlips! Im Spiegel bewunderte ich mich dann voller Stolz: Ich sah einfach total bejodelt aus! Man spendete mir tosenden Applaus!
......Er knöpfte eine der beiden Brusttaschen seiner Uniformjacke auf und drehte sie dann verkehrt heraus. Dann brachte er sie grinsend sogleich wieder in Ordnung. Er fuhr sich mit der Zunge feucht über die Lippen und sagte feixend: "Ach wie werde ich mir nun dieses satte Sahnetörtchen schmecken lassen !"
......Auf dem Stuhl neben ihm steht eine weitere, eine noch viel größere Torte. Er setzt sich voll drauf. Er ist stolz auf die Wolke stechenden Geruchs, die stets sein Haupt umschwebt. Ich warte, bis er seinen graugrünen Militärschlips auf korrekten Sitz hin geprüft hat, wonach ich ihm die dicke wabbelige Sahnetorte mit sanftem Schwung ins Angesicht befördere.
......Der triefende Plastiknapf saß dem Manne schief auf dem Haupt. Der schwanzförmige, leicht kotverschmierte Plastikvibrator wackelte nun wild und orientierungslos in der Brusttasche seines blauen Uniformhemdes herum und sprach ununterbrochen mit krächzender Automatenstimme folgenden Satz: "Es gibt keine Tatsachen, es gibt nur Interpretationen!"
......Durch das Verandafenster wurden währenddessen ohn Unterlass über ein Förderband die Speisen herausgefahren.
......Der Mann zog mir nun den Reißverschluss meiner ockerbraunen Hose down und schob mir daraufhin einen außerordentlich großen und prallgefüllten Spritzbeutel in den Hosenschlitz, welchen er mir mit den Fingern der anderen Hand weit gähnend aufhielt. Kraftvoll presste er die dicke Garniertüte zusammen - und im Nu war meine Hose vorne dudelvoll bis obenhin! Richtig schön warm voll mit sehr, sehr weichem Kartoffelpüree! Dankbar kramte ich in meiner Westentasche, zog einen funkelnden nagelneuen Pfennig daraus hervor und legte ihn auf den Tisch.
......Der Mann zückte sein Einstecktuch aus der Brusttasche seines Jacketts. Er tupfte sich damit elegant die im Abendlicht etwas schweißschimmernde Stirn und sprach jovial: "Verzeihung, mein Herr, äääh ... Linseneintopf ... gestern abend!"
......Bewundernd beobachtete er den anderen Mann, wie dieser in seiner zackigen maskulinen Art auf dem Rasen herumstolzierte. Die zuvor so scharfen Bügelfalten seiner Anzughose waren inzwischen ziemlich unscharf geworden. Ich betrachtete den zugekleisterten Mann und staunte wieder einmal sehr über die Tatsache, was zwei oder drei Torten auf einem Herrn so alles hermachten! Sein sportlicher Oberlippenbart war von der cremigen Karikatur seiner selbst bedeckt, seine übrigen Züge wirkten unter der sahnigen Tortenbrei-Schicht mehr als verwaschen. Ein großer, bizarrer Sahnebatzen löste sich von seiner Nase und klatschte mir auf die glänzend polierten schwarzen Halbschuhe.
......Wie ein gewaltiger unförmiger weißer Bart, ganz ähnlich dem eines Weihnachtsmannes, hing ihm die dickfette, zähe Tortenmasse vom Kinn herab vor der Brust. Seine Krawatte war vollständig davon bedeckt.
......Inzwischen löst sich dem auf dem Stuhle sitzenden anderen Mann der Tortenboden vom Gesicht. Ganze Sahneschichten rutschen ihm dabei vom Antlitz und von der Brust und senken sich ihm kühl und feucht auf den Schoß hinab. An seiner Nase hängt ein ebenso lustiger wie langer, ebenso dicker wie zäher Zapfen aus Cremeteig, der bei jeder seiner Bewegungen geradezu Lachsalven auslösend hin und her schlenkert.
......Ich fasse die nächste Torte, nehme das Ziel, sein vollgebuttertes Angesicht, ins Visier und werfe dann mit Schmackes das süße konditorische Meisterwerk. Schön trifft es mitten in sein Tortengesicht. Die Sahne spritzt üppig nach allen Seiten davon.
......Würdevoll erhebt sich da der erneut Getroffene und lässt sich die Pampe salopp vom Gesichte rutschen. Auf seiner Brust klebt ihm der Sahnebrei nun ebenfalls so dick, dass man auch bei ihm nicht einmal mehr im Mindesten ahnen konnte, dass er einen Schlips umhatte. Ganze Schichten des weißen süßen Sabbers glitten an dem Manne herab, als würde ihm der olle Sudelbrei von einem unsichtbaren Automaten direkt über seinem Haupte unentwegt nachgepumpt.
......Und durch die ovalen Bullaugen des Raumschiffes schauen wir hinaus, wo eine endlose Zahl wirbelnder Sonnen sang.
......In der Hand hielt ich noch die Schweinswurst und die beiden gekochten und geschälten Hühnereier. Auf das obere Ende der Wurst spritzte ich scharfen gelben Senf. Das Singen der Sonnen steigerte sich dabei zu einem alles durchdringenden Orgeln. Der Pfennig liegt funkelnd im Lichte einer der spätesten Sonnen auf dem Tisch.
......Ein paar leichte Luftkräuselungen verrieten die Stelle, an der in ein paar Jahrtausenden der verschwundene Kosmonaut wieder erscheinen würde. Seine Körpersignale kreuzen zwischen den Sternen wie intergalaktische Brieftauben.
......Als der Hauptmann den Hebel abwärts wuchtete, begann die ganze Maschine zu ruckeln und zu vibrieren - in ihrem Inneren kreischte und krachte es mehrere Sekunden lang entsetzlich, bevor dann der Senf richtig schön stark und planlos rundum aus allen Öffnungen des Gerätes spritzte. Dem Militär odelte infolge dieses Umstandes der ganze gruselgelbe Brei ohn jegliche Kontrolle überall vorne auf das wunderschöne Uniformsakko drauf.
......Ich ließ die zerbissene und vor Speichel triefende Zigarre in das verstopfte Pissbecken fallen. Dann nahm ich die Füße vom Schreibtisch, zog mir die Krawatte gerade und strich mir mit den Händen das schleimige Haar zurecht.
......"Sie nehmen mir das Wort geradezu aus dem Munde!"
......Der Mann trat auf die Veranda des Raumschiffs hinaus, schloss hinter sich halb die Tür und nahm Platz auf dem brokatbezogenen Stuhle, den ich ihm höflich angeboten hatte.
......"Was kann ich für Sie tun, Herr General?"
......Da ströhmte ein gar wunderbares Gefühl von ihm aus, erfasste mich zur Gänze - und es wuchs und wuchs und wuchs! Wüst stöhnte ich auf! Eichenblätter wirbelten im Sturme mir zu! Ich war ganz verzaubert.
......"Wir sind deine Germanen! Wir halten dein Feuer wach! Wir stehen in Liebe und unverbrüchlicher Treue zu dir! Du vernahmst unserer Sehnsucht wilden Ruf und jagtest also im Sturme her, uns beizustehn!"
......Von der Metalldecke fielen wie zur Antwort die Eichenblätter hernieder und blieben wie gelber Schnee auf dem Schreibtisch und dem daneben stehenden Speisetisch liegen.
......Schließlich saßen wir dann auf dem breiten Ast und schauten zu, wie sich der Nebel allmählich auflöste. Die Sonne stieg über den Horizont empor und ihre Farbe glich geschmolzenem Kupfer. Der Himmel leuchtete in strahlendstem Blau und wir blickten über das flach betonierte Germanien nach Norden hin.

"Lass den Bauch durchhängen, Bursche - du hast es genauso verdient wie wir alle!"
......Seine Uniform war noch nass vom Nebel. Seine Lippen schmeckten süß wie Honig.
......"Melde gehorsamst, Herr General: Projekt Nordhalbkugel tritt exakt um vier Uhr MEZ in seine entscheidende Phase!"
......"Ich danke Ihnen, Leutnant - wegtreten!" Abgang.
......Er wartete an der Eiche auf mich, an den Stamm des machtvollen Baumes gelehnt, mit dem er fast eins geworden zu sein schien. Er hielt den Blick in weite Fernen gerichtet, das Herz voll von abendländischer Sehnsucht.
......"Ich kenne eine nette kleine", sagte ich, "Baugrube hier ganz in der Nähe - Sie wissen schon - da, wo die neue Tiefgarage hin soll."
......Die Betoneinfassung ringsum stand schon beinahe überall und die Stahlstreben zeigten an, wo dereinst die Gänge, Schluchten und Auffahrten sein würden. Ringsherum standen die Baufahrzeuge, erstarrten mechanischen Sauriern gleich. Halb aufgeplatzte Zementsäcke lagen da und dort im Schmutz, Stahlstreben ragten aus noch unfertigen Wänden, verdreckte Bauarbeiterklamotten lagen oder hingen mancherorten herum und winkten ihm mit ihrer zarten Erotik, Mörtelpfützen schienen ihn verlockend anzulachen und Bierflaschen mit Trinkresten glitzerten hier und da verheißungsvoll im Sonnenlicht. Ich fand denn auch glücklich eine noch fast volle Pulle, griff sie mir, setzte sie mir gierig an die trocken schmachtenden Lippen und ließ mir wonnig den überaus schalen Bierrest munden.
......Mit der Flasche in der Hand schlenderte ich über die sonntäglich verlassene Baustelle. Bei den Wohncontainern der Bauarbeiter entdeckte ich, dass die Plumpsklo-Kabine umgekippt worden war. Die verdreckte und brillenlose Keramik-Kloschüssel stand nackt und traurig da wie ein einsames Kind.
......Der andere Mann kickte die braun verklebte Klobürste gegen den Trafokasten, während ich die Hose runterließ und es mir auf der Kloschüssel richtig schön bequem machte, ein dickes Geschäft zu verrichten.
......Er aber genoss die nassfeuchten Bauarbeiterklamotten zum bunten Schlips und zu dem intensiven Sahnegefühl - und ihm war dabei, als spürte er alle Anfänge der Welt: würdevoll und hochzufrieden - nasser Hosenboden, feucht verhülltes Haupt, doppelt edel bekleidet, endlich!
......Er zieht seine rechte Hand lässig aus der Hosentasche und stopft sich die süße Teigmasse, die ihm überm Maule klebt, ins Maul. Dann steckt er seine vollgekleisterte Hand wieder in die Hosentasche.
......Nach einer Weile holt er dann beide Hände aus den Taschen, setzt sich auf den zuvor schön zurechtgestellten Stuhl und unterm Hosenboden quoll ihm quarkig quatschend eine weitere große Torte auseinander. Der dabei zur Schau gestellte würdevoll gelassene Gesichtsausdruck des Mannes wurde durch das streng gescheitelte schwarze Haar und den übersorgfältig zurechtgestutzten Oberlippenbart gleicher Farbe goldrichtig unterstrichen. Die mythischen Anforderungen waren hierbei enorm!
......Elegant bewegt er nun den rechten Fuß ein wenig nach vorne, tippt mit der schimmernden Spitze seines glänzend polierten Halbschuhs das bewusste kleine Pedal kurz nieder, zieht den Fuß wieder zurück und wartet ein paar Sekunden, bis die Maschine darauf reagiert. Und erwartungsgemäß trifft eine dicke Sahnecremetorte mit sattfeuchtem Wapp!-Geräusch in sein absichtlich recht blasiert zur Schau gestelltes Gesicht. Die um ihn rum stehenden Männer lachen grölend und hauen sich vor lauter Freude auf die Knie. Daraufhin betätigt er erneut das Pedal und wieder schleudert ihm die Tortenwerf-Maschine ´ne oberfette Sahnetorte ins ohnehin schon weiß eingebutterte Angesicht. Die Männer lachen Tränen! Sie schwanken vor Heiterkeit, halten sich taumelnd vor Fröhlichkeit gegenseitig an den Ärmeln oder an den Schultern fest. Nochmals betätigt er jenes wunderbare Pedal - und schon während ihm die dritte Torte im Antlitz landet, wälzt sich bereits die ganze Mannschaft vor kugeligstem Gelächter wild auf dem morastigen Boden des Bauplatzes herum.
......Begleitet von weiteren unkontrollierten Gelächtersalven seiner Kameraden rutscht dem Herrn zuletzt der Tortenboden der letzten Torte sehr, sehr langsam und träge vom Gesichte, das jetzt tief unter dicken Schichten von Teig und Sahnebrei verborgen liegt, in denen sich nun auch noch gar neckisch das Atemlöchlein bildet. Da tritt die Sonne hinter den Wolken hervor! Und ihr Licht wird flammend von der Glasfront des gegenüberstehenden Wolkenkratzers reflektiert. Das gesamte Bauplatzareal schien plötzlich wie in starren Flammen zu stehen.
......Er wischte sich die Hände erst an seiner nagelneuen kotfarbenen Hose ab, dann an seinem großkarierten amerikanischen Sakko und zuletzt an seinem pinklila Hemd und der zart hellrosafarbenen Krawatte, jener mit dem ornamentalen Arschbackenmuster, von der jetzt aber ganz und gar nicht mehr viel zu sehen war. Am Ende drückte er sich würdelos den eleganten weißen Hut auf den Kopf und schob ihn sich auch noch recht eitel darauf zurecht. Aus dem Atemloch im Sahnebrei spritzte zunächst ein wenig weißer Sabber heraus, bevor seine Zunge zum Vorschein kam, womit er sich dann etwas den geschniegelten Oberlippenbart frei leckte.
......"Einen Augenblick noch!" Umständlich wischte er sich die Augen frei und lachte. Weißer Sabber troff ihm dabei elegant vom Kinn. Er entkorkte nun gekonnt einige Flaschen edlen roten Weines und schenkte uns die Gläser voll. Einen Rest in der letzten Flasche schüttete er mir einfach überm Kopf aus. Das edle Nass perlte an meinen Schichten aus Sahnebrei hernieder, mir die Hose auf den Oberschenkeln angenehm pfützig machend.
......Er griff in die Crememasse auf meiner Brust und es gelang ihm, meinen Schlips in all dem Breikleister zu finden, ihn mir ein wenig gerade zu ziehen und ihm sogar wieder einen gewissen korrekten Sitz zu verleihen.
......"Vielen Dank!" säuselte ich und bewunderte mein schneemannartiges Abbild im Spiegel.
......Währenddessen setzte der andere Mann sich wieder auf eine Sahnetorte und es quoll ihm der olle Daaatsch smart rings um den Hosenboden hervor. Um seinen Stuhl herum tröpfelte und platschte der Pamp unentwegt zu Boden.
......"Ich bin sauber, ich bin rein - und auch die Luft umher ist rein und frisch!" Unter dem Einfluss dieser Worte verwandelte sich die Nordwand in ein merkwürdiges fremdartiges Material. Davon wurde dem Mann mit der Schirmmütze so angenehm übel, dass ihm das Mittagessen in voller Masse wieder aus dem Munde quoll wie grünroter Pudding. Das Zeug spritzte auf die antiken Bodenplatten. Gallige Tentakel wanden sich schön aus dieser grünroten Odelpfütze aus Speisebrei und zupften bittend an den Hosenbeinen der Männer.
......"Alles nützt uns und alles dient uns!", sprachen die Herren da wie abgemacht im Chor. In einer liniengeraden Reihe nebeneinander stehend winkten sie exakt synchron mit den Händen wie ein perfektes Männerballett. Eine pulvertrockene Quietschente, deren nukleare Halbwertszeit soeben ablief, zerbröselte in Raum und Zeit. Da erscholl der stille See hell auf dem stählernen Grund. Und der Mann schlug etliche rohe Hühnereier in seinen eleganten neuen Hut, bis dieser bis zum Rande mit Schleimbrühe voll war. Mit leicht nach oben gedrehten Augen setzte er diesen seinen hübschen Suppelhut dann lächelnd auf. Wie heiliger Nebel senkte sich da die schleimige nasse Trübnis über ihn herab. Still und licht wandelte er nun am Ufer des stählernen Teiches hin. Und grünes Wipfelwehen durchbrach das Eichenlaub. Festlich schwang der Himmel im Kreise, die harte Scheibe der Welt schwieg heilig. Der Männer auferhabene Lust wandelte sich zu höchst erhöhter Macht, welcher sie nun stolz verfügten mit ewigem Licht.
......Seine Gedanken schwebten mild wie das blaue Laub exoterrestrischer Eichen in der Halle seines Bewusstseins. Sie ragten weit in den hellen Himmel hinein.
......"Welch heiliges Wallen von süßen Nebeln ringseinher!"
......Ach ihr philosophischen Gedanken all, nun gleitet majestätisch dahin!
ENDE

.Original-Titelbild von.
ZERO ZOXX Großband 7
(1994)

.Original-Rückseite von.
ZERO ZOXX Großband 7
(1994)

PROJEKT NORDHALBKUGEL
1993/2003 by Sammy Tornado, ZERO ZOXX INTERNATIONAL
und Babel Verlag, Geisterstadt. Geschrieben 1993
Erstveröffentlichung 1994 im ZERO ZOXX Großband 7.

Die Seite wurde 2003 eingerichtet
Erstes Update (Layout): Mai 2006
Zweites Update (Layout): April 2008

Anmerkung:
Der ZERO ZOXX GROSSBAND 7 war
Gabi Dohm (Schwarzwaldklinik), Uschi Glas (Anna Maria)
und Amon Düül 2 (Hijack) gewidmet.

E-Mail: zzi@zerozoxxinternational.com