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Plasma - Atem der offenen Pentarchie
DAS RITUAL DES
DELICATE CLEANING RAG
Aus den Berichten der Mary Binder
Herausgegeben von Adelheid Fröhler
In einem fünfeckigen Saal (günstigstens mit hoch gespannter gotischer Decke) nagelten wir allerorten nasse alte schmutzige Lappen und Putzlumpen an die Wände und in die Ecken. Letztere mußten ganz verhangen sein. Auf fünf steinernen Liegesockeln, die sternförmig angeordnet vom Zentrum des Saales zu den Ecken wiesen, lag je ein junger Katholik in schwarzem Anzug und mit schwarzer Krawatte. Es waren samt und sonders Katholiken, die von Kindheit an durch übertriebene Frömmelei durch ihre Eltern oder Seelsorger sowie durch von diesen brutal eingebleute Praktiken der Selbstgeißelung allmählich in extrem überlastete Geisteszustände getrieben worden waren - günstigstens Geisteszustände etwa mit Krankheitsbildern der Akatha Passia Hysterica, psychotischen Schreikrämpfe oder gar epilepsieartig auftretende Anfälle des aus der Inquisitionszeit bekannten Gebetsheulens.
Die berauschten und mit Aphrodisiaka gestärkten Glaubensirren lagen so, dass die beschuhten Füße eines jeden der Katholiken in eine der fünf Ecken wiesen und ihre Häupter hin zum Zentrum ein weiteres Fünfeck bildeten. Aus der fünfeckigen Mitte, die aus den Kopfseiten der Steinliegen gebildet wurde, erhob sich ein Pulk aus Hunderten schwarzen und weißen Kerzen. An die Fußseiten der Liegen hatte man aus Kirchen entwendete, geweihte, stark qualmende Weihrauchbehälter gesetzt. In den Weihrauch waren Anteile von Pech und Haschisch (abwechslungsweise auch Opium) sowie getrocknete Männer-Kotbrocken geschüttet worden und es wurde im Verlaufe der Zeremonie von einem Schwarzen Bruder immer wieder lange in Flaschen gereifte Männerpisse dazu gegossen. Der Gestank, der daraus entstand, war an der schmerzlichsten Grenze des gerade noch Ertragbaren und der Qualm machte die Luft so trüb und fett bis bald die ganze Halle schwitzend war. Alle Anwesenden liitten unter schweren Hustenanfällen und tränenden Augen. Am meisten litten die Katholiken, die sich mit kräftig gebeulten Hosen auf ihren Liegen wälzten.
Kübel, die mit dreckigstem Kirchenboden-Wischwasser randgefüllt waren, standen bereit. Als die auf den Steinsockeln sich wälzenden Katholiken den rechten Grad der sexuellen Erregung und der Hustenqual erreicht hatten, wurden von den unter ihren Kutten schwitzenden Brüdern aus den Kübeln zerfetzte triefende Putzlumpen gehoben und auf die unflätigste Weise die Antlitze der gequälten jungen Männer damit abgewischt. Alte Wischmops wurden dann in die unheiligen Wasser getaucht und die guten Anzüge der Herren damit bearbeitet. Dabei wurden die obszönsten Beschwörungsformeln gesprochen. Indem man ihnen mit den schmierigen Wischmops die Hosen gerade über den Beulen entsprechend bearbeitete, zwangen wir die Besauten sich aufzusetzen. Wo es nicht gelingen wollte, halfen unsere brünstigen Brüder nach. Und mit den Worten: "Hiermit lösche ich deinen Glaubenseifer!" wurde zum weihevollen Abschluss der Zeremonie jedem der fünf Gläubigen einer der randvollen Schmutzeimer mit dem schaumigen Kirchen-Wischwasser über den Kopf gestülpt. Mit diesen Pötten über ihren Häupten konnten sie schließlich als sicher und endgültig vom Glauben geheilt entlassen werden.
Aus: Mary Binder, Die Rituale der modernen Meistermagier, 1953
Grafisch überarbeitetes Fotoporträt von Herbert - "Verspeise dein eigenes Haupthaar!"
MARY UND ALEISTER -
THE DELICATE CLEANING RAG

Zeichen des Zerschmetterers
DAS RITUAL DES DELICATE CLEANUNG RAG
© 2003 by Heidi Fröhler, ZERO ZOXX INTERNATIONAL und Babel Verlag, Geisterstadt.
Die Seite wurde im Jahr 2003 eingerichtet.
Erstes Update am 13.April 2008.
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